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Stationen in den Tod

Das Schicksal der Bottroper Opfer der "Euthanasie"

 

Wohnortnahe Versorgung von Menschen mit Einschränkungen oder psychischen Erkrankungen war in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts noch ein Fremdwort. Betroffene Menschen waren wohnortfern in zum Teil abgelegenen Gemeinwesen, Anstalten sowie Heil- und Pflegeeinrichtungen untergebracht. Sie wurden dort versorgt, medizinisch betreut und gepflegt. In der Provinz Westfalen, zu der auch Bottrop gehörte, standen 14 Großeinrichtungen in provinzialer und konfessioneller Trägerschaft mit insgesamt 11.000 Anstaltsbetten zur Verfügung.

Betroffene aus Bottrop waren in der Zeit des Nationalsozialismus untergebracht in den Provinzialanstalten Aplerbeck, Eickelborn, Gütersloh, Lengerich, Marsberg, Münster und Warstein sowie in den konfessionellen Anstalten, zu denen der Wittekindshof und die von Bodelschwinghschen Anstalten Bethel in Ostwestfalen sowie der Maria-Lindenhof in Dorsten zählten. Die Bewohnenden waren den nationalsozialistischen Euthanasieaktionen ab 1939 schutzlos ausgeliefert. Ausnahme war die Anstalt Bethel, in der Bewohnende durch den Widerstand des Leiters Pastor Friedrich von Bodelschwingh und seiner MitarbeiterInnen vor der "Euthanasie" gerettet werden konnten.

Aus den anderen Anstalten wurden die PatientInnen in Transporten zunächst in Zwischenanstalten verlegt. Dies war Teil der Euthanasiestrategie, um ihre Spuren zu verwischen und ihr Schicksal zu verschleiern. Von dort aus wurden sie in Tötungsanstalten transportiert. Nur wenige BottroperInnen aus westfälischen Anstalten haben die Euthanasieverbrechen der Nazis überlebt.

Einige Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Einschränkungen und psychischen Erkrankungen lebten in ihren Familien in Bottrop und konnten dem Zugriff der Euthanasiebehörden entzogen werden. Es wird berichtet, dass insbesondere Kinder und Jugendliche in Verstecken der elterlichen Häuser und Wohnungen auch durch Nachbarschaftshilfe überlebt haben.

Der Bevölkerung war bekannt, dass aus bestimmten Anstalten immer wieder Todesnachrichten kamen. "Die überleben das nicht!", hieß es damals in Bottrop. Viele ahnten, dass die Menschen in diesen Anstalten keines natürlichen Todes starben. Über offenen Widerstand in Bottrop gegen die Euthanasieverbrechen der Nazis ist nichts bekannt. Noch in den siebziger Jahren wollten manche Eltern ihre behinderten Kinder nicht in die damals entstehenden Wohneinrichtungen und Werkstätten für Menschen mit Behinderungen aufnehmen lassen. Sie hatten Angst, dass ihren Kinder Schaden zugefügt werden könnte.

 

 

Die Todesanstalten

  • Die Bottroper PatientInnen aus der Anstalt in Aplerbeck wurden überwiegend 1941 in Hadamar und Eichberg ermordet.
  • Die betroffenen BottroperInnen aus der Anstalt in Eickelborn wurden überwiegend 1941 und 1943 in Erlangen und Kaufbeuren getötet.
  • Die BottroperInnen aus der Anstalt in Gütersloh wurden überwiegend 1941 und 1943 in Bernburg/Anhalt und Varta/Wartegau ermordet.
  • Die Bottroper Bewohnenden aus der Anstalt Münster wurden überwiegend 1941 und 1943 in Hadamar und Weilmünster getötet.
  • Die BottroperInnen aus der Anstalt Marsberg wurden überwiegend 1941 in Hadamar ermordet.
  • Die Bottroper Bewohnenden aus der Anstalt Warstein wurden überwiegend 1941 und 1943 in Weilmünster, Eichberg und Hadamar getötet.
  • Bottroper Kinder und Jugendliche wurden in den "Landesfachabteilungen in Marsberg" und in der "Kinderfachabteilung Aplerbeck" in den Jahren 1941 bis 1945 ermordet.

 

© 2009 Arbeitskreis Bottroper Opfer der "Euthanasie"