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Else Disse

Ein Bottroper Opfer der "Euthanasie"

 

else_D_18JahreElse Kuropka wurde am 30. Mai 1911 in Gelsenkirchen-Horst geboren. Ihr Vater war Bergmann. Sie besuchte die Volksschule. Weil es in der Weltwirtschaftskrise nach ihrem Schulabschluss keine Arbeit für Mädchen gab, half sie im elterlichen Haushalt mit. 1930 heiratete sie bereits mit 19 Jahren Anton Friedrich Disse, der auch als Bergmann auf der Zeche Welheim arbeitete.

Das Ehepaar Disse wohnte in der elterlichen Wohnung. Anton Friedrich Disse war kein SPD-Mitglied, aber ein erfolgreicher Schwimmer im Rot-Sport-Schwimmverein. Er hatte noch andere Hobbys, zum Beispiel Schachspielen.
Nach ihrer Machtergreifung verschleppten die Nazis in ganz Deutschland vermeintliche Oppositionelle, Kommunisten und Sozialisten in Lager und Zuchthäuser, so auch in der Arbeitersiedlung Bottrop-Welheim. Unter ihnen war auch Anton Friedrich Disse. Zurück blieben weinende Frauen mit ihren Kindern.

Monatelang wusste Else Disse wenig über den Verbleib ihres Mannes. Mit ihrer 1932 geborenen Tochter Gerda stand sie allein und mittellos da. Nachts strickte sie Decken und andere Dinge, um durch den Verkauf etwas Geld zu verdienen. Diesen psychischen Belastungen hielt Else Disse nicht Stand. Sie wurde krank, vermutlich war es eine schwere Depression. Als ihr Mann nach einem halben Jahr schwer gezeichnet aus dem "Umerziehungslager" der Nazis zurück kam, machten sich bei ihr die ersten Anzeichen ihrer schweren Erkrankung bemerkbar.

Sie kam zunächst in das Philippusstift nach Essen, dann nach Warstein und nach Münster in eine Heil- und Pflegeanstalt. Auch in der Pflegeanstalt Münster strickte Else Disse noch schöne Dinge und schickte sie ihrer Familie. Zu ihrer Tochter hatte sie kaum noch Kontakt. Unvergesslich ist ihrer Familie die letzte Begegnung mit Else Disse im Dezember 1938. Tochter Gerda war auf dem Schulweg mit dem Tornister auf dem Rücken, als die Eltern ihrer Mutter sie abpassten und mit dem Mädchen nach Münster fuhren. In einem Vorraum der Anstalt warteten sie. Else Disse wurde hereingeführt. Mutter und Tochter hatten sich seit zwei Jahren nicht mehr gesehen. Aber Gerda sah sofort, wie sehr sie von ihrer Krankheit gezeichnet war. Auf dem Rückweg weinte das Mädchen bitterlich und rief immer wieder: "Und ich hatte doch eine so schöne Mama!"

Gerda hat nie wieder etwas von ihrer Mutter gehört. Else Disse wurde 1943 in die Anstalt Weilmünster verlegt, von dort aus in die Tötungsanstalt Hadamar. Später bekam die Familie einen Totenschein. Den Angaben darauf glaubten sie: "Gestorben am 05.09.1944. Todesursache: Rippenfellentzündung".

 

 

stolperstein_disseEin "Stolperstein" für Else Disse

"In den achtziger Jahren hat mein Sohn Familiengeschichte betrieben. Dabei hat er im Taufregister der Kirche in Gelsenkirchen-Horst die Taufbescheinigung meiner Mutter und den Vermerk gefunden: ‚verstorben in Hadamar‘. Mein Sohn hat dann Kontakt mit Hadamar aufgenommen. Erst da haben wir erfahren, dass Hadamar eine Tötungsanstalt der Nazis war und meine Mutter ermordet wurde. Aus der Zeitung habe ich von den ‚Bottroper Veranstaltungen gegen das Vergessen‘ erfahren. Mich hat schon immer geschmerzt, dass es kein Grab für meine Mutter gibt, zu dem ich gehen kann, und keinen Ort, an dem ich Blumen niederlegen kann. Ich habe mich entschlossen, für meine Mutter einen ‚Stolperstein‘ setzen zu lassen, um ihr nach so langer Zeit ihren Namen und ihre Würde zurückzugeben und einen Ort zu haben, an dem wir ihrer gedenken können." (Gerda Kannen, Tochter von Else Disse)


Der Stolperstein für Else Disse wurde am 31. Oktober 2009 in "Am Kämpchen 11" in Bottrop-Welheim verlegt.

 

© 2009 Arbeitskreis Bottroper Opfer der "Euthanasie"