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WAZ Bottrop vom 17. März 2006

Kolüsch packt Schüsseln ein

Bilanz nach drei Monaten: 7000 Mahlzeiten an bis zu 100 Gäste täglich ausgegeben. Erich Skoda, die gute Seele der Suppenküche, musste sich in dieser Saison schonen

 

Gestern deckte das Team der ehrenamtlichen Mitarbeiter der "Suppenküche Kolüsch", dem Mahlzeitendienst für Wohnungslose und Bedürftige, zum letzten Mal die Tische im alten Betsaal der Gnadenkirche auf dem Eigen.
Zur Mittagszeit warteten vor der Tür schon seit geraumer Zeit die ersten Gäste. Anfang Dezember war Erich Skoda derjenige, der die Tür öffnete und die Gäste willkommen hieß, nachdem er alle Vorbereitungen für täglich bis zu 100 Gäste getroffen hatte.

"Erich war und ist die gute Seele der Suppenküche Kolüsch", berichtete Diplom Sozialarbeiter Wolfgang Kutta. "Allerdings hat Ende Januar eine Herzerkrankung diesem Engagement zunächst ein Ende gesetzt. Erich musste dringend ins Krankenhaus und ist dort nach vier Wochen Behandlung entlassen worden", erzählt Kutta. "Wir alle haben ihn sehr vermisst", ergänzt Kollegin Claudia Kretschmer. So mussten die anderen Ehrenamtlichen, allesamt ehemalige Wohnungslose, für einen geordneten Ablauf in der Suppenküche sorgen.

So problemlos, kommunikativ und freundliche hatten sich Jennifer Kurtz und Kai Bracht, die als studentische Praktikanten die "Suppenküche Kolüsch" in dieser Saison begleiteten, den Ablauf nicht vorgestellt. Dieses Engagement aller Beteiligten, das Zusammenspiel von öffentlicher und privater Fürsorge, scheint den beiden Studenten der Sozialarbeit der richtige Weg zu sein, um ein solches Projekt menschenwürdig durchzuführen. Wolfgang Kutta betont den Stellenwert der privaten Spenden: Eine wachsende Anzahl von Bürgern unterstützt Kolüsch mit monatlichen Beiträgen.

Gestern stand Fischfilet mit Lauchgemüse und Salzkartoffeln auf dem Tisch, als Nachtisch Schokoladenpudding und von einer Bäckerei gespendeter Kuchen. Allen ist klar, dass bis zur nächsten "Suppenküche Kolüsch" wieder neun Monate vergehen werden. "Ich freue mich jedes Jahr darauf, hier zu essen, zu quatschen und mal etwas anderes zu sehen", erzählt Daniel (36 J.), ein vormals Wohnungsloser.

Am Eingang saß Erich Skoda und rutschte nervös auf seinem Stuhl hin und her. Er wollte mithelfen, ist aber nach der schweren Erkrankung zu schwach. Aber diesen letzten Tag in dieser Saison wollten ihm die Organisatoren nicht nehmen. "Kolüsch kommt ja wieder", sagten einige Gäste zu Erich Skoda tröstend. "Und dann bis Du wieder unser Mädchen für alles."