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Lebensbilder von der Straße

Siegbert

* 1945 in Bottrop geboren

 

Nach der Volksschule habe ich Elektriker gelernt. Mit 18 bin ich nach Berlin abgehauen – wegen der Bundeswehr. Die Feldjäger wollten mich holen. Aber ich wollte meine Freiheit. Die habe ich schon zuhause nicht gehabt. Ich habe als Elektriker in Kreuzberg und Neukölln gearbeitet, wilde Zeiten. Als ich wiederkam, habe ich in Düsseldorf gewohnt und bei Ford in Köln malocht. Dann wurde ich schwer krank: Tuberkulose. Eine Seite der Lunge wollte nicht heilen. Insgesamt war ich fünf Jahre in Kliniken. Im Krankenhaus hat die Bundeswehr mich gefunden, ich sollte endlich den Dienst antreten. Ging jetzt natürlich nicht mehr. Habe dann mehrere ABM gemacht, nach 1993 nichts mehr. Arbeitslosengeld, Arbeitslosenhilfe, jetzt Hartz IV. Als ich mich von meiner Freundin getrennt habe, musste ich aus ihrer Wohnung raus und hatte keine Bleibe mehr. Ich habe lange in einer Holzbarackensiedlung der Stadt gewohnt. Die wurde dann abgerissen. Seit 2000 lebe ich in einer Wohnung der Kirche, will aber nach Holland zu meinen Verwandten ziehen.